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Unsere kurze Liaison mit einem 2CV
2CV6 Charleston, Baujahr 1981

Der Anfang
Im Oktober 1995 erwarb ich, aus einer Laune heraus, für wenig Geld ein Citroen 2CV6 - landläufig auch Ente genannt. Eine schöne rot/schwarze Charleston Bj.81. Der Zustand entsprach in etwa dem Kaufpreis! Aber das war mir egal. Guter Kontakt zu einem TÜV-Prüfer machte sich in Form einer Plakette bezahlt. Die Investitionen beschränkten sich zunächst auf ein Satz neue Reifen. Bei dieser Gelegenheit hatte ich mich gleich für die breitere Variante entschieden - 135/15 statt der serienmäßigen 125/15. Beim Radwechsel machte ich dann auch gleich den ersten Fehler. Nachdem der Universalwagenheber bis zu Anschlag hochgeleiert war und das Rad immer noch auf dem Boden stand, wusste ich, warum in meiner Ente so ein hübscher extralanger Wagenheber liegt. Aufgezogen waren die 'Walzen' schnell. Wegen der geschlossenen Felgen benötigt man zum Auswuchten eigentlich eine spezielle Aufnahme. Da wir die nicht zur Verfügung hatten, ließen wir es einfach sein. 

Halbe Power
Eines Feierabends fuhr ich nach Hause los. Nach nur 300m, an einer Kreuzung, bekam der Motor heftiges Ruckeln und einen akuten Leistungsverlust (wenn das bei 26 PS nicht von Haus aus der Fall ist). Mit etwas Geduld hatte ich es noch aus dem Kreuzungsbereich geschafft. Fachmännisch öffnete ich die Haube, in der Hoffnung irgend einen Fehler entdecken zu können. An der Zündkerze vom linken Zylinder konnte es nicht gelegen haben, denn die war nicht mehr da gewesen. Ich hätte schwören können, das zur Abgasuntersuchung vorangegangener Tage noch alles komplett war. Etwas ratlos mich umschauend, sah ich meine Kerze mitten auf der Kreuzung liegen. Wegen der Hitze von einer Hand in die andere werfend und unter dem Spot der Vorbeifahrenden, brachte ich das gute Stück zum Wagen zurück. Mangels Werkzeug drehte ich sie nur handfest in den Zylinderkopf. Während der ganzen Aktion lief der Motor dumpf blubbernd auf einem Topf weiter. 

Der Umzug
Nie hätte ich gedacht, das in eine Ente sooooo geräumig ist! Brav pendelte sie die fünfzig Kilometer zwischen der alten und der neuen Wohnung. Der Boxer gab sich redlich Mühe und die Kupplung war deutlich zu riechen. Auf die Waage hätte uns niemand stellen dürfen.

Bei dieser Fuhre hatte sie einen Küchentisch, drei Stühle, zwei Hocker, zwei Lautsprecher, ein Nachttischschränkchen, einen CD-Ständer, fünf Postpakete, einen ausgewachsenen Benjamin Fikus, eine Musikanlage, einen Wassereimer, eine Schreibmaschine, einen 20kg Sack Blumenerde und noch einige andere Kleinigkeiten geladen. 

Lebenserhaltende Maßnahmen

 

Dringende Ausbesserungsarbeiten an der Karosserie, nachdem es beim Fahren den Schneematsch durch das Bodenblech an die Türverkleidung geschleudert hatte. Weiterhin mußte der durchgebrannte Wischermotor ausgetauscht werden und das eingerissene Verdeck geflickt werden. Die Luftklappe unter der Frontscheibe hatte sich schon vor einiger Zeit in Rost aufgelöst. Aus einer Aluminiumschiene entsteht ein haltbarer Ersatz für die Klappe. Über den Winter pfiff es fürchterlich kalt in den Innenraum. Fahren konnte ich nur mit Schal, Handschuhen und Mütze. Erschwerend kam hinzu, das unsere Ente nicht mehr über Luftführungsklappen und -schläuchen verfügt.

Propeller auf Abwegen
Auf dem Weg zu einem Mountain Bike Rennen im Erzgebirge trat immer wieder ein neuartiges Geräusche auf. Drrrddd-drrrrrd-rrchchd. Dann krachte es noch einmal deutlich, bevor es still wurde. Die Untersuchung am Straßenrand ergab, das das Lüfterrad dem Rest des Fahrzeuges etwas vorrausgeflogen war. Diesmal hatte ich Werkzeug dabei, aus Fehlern lernt man ja schließlich. Es gelang mir, trotz festgerosteter M7 Schrauben am Schutzgrill, den Propeller wieder mit seiner Achse zu verbinden.

Das Ende
Es war eine schöne Zeit mit Ihr. Die kurvenäußere Seitenscheibe stand bei zügiger Fahrweise waagerecht ab, der Wind blies durch alle Ritzen und man konnte sich dabei nicht sicher sein, das noch alle Räder Bodenkontakt haben. Manchmal bin ich tiefer in den Sitz gerutscht und habe nur durch die offene Luftklappe unter der Frontscheibe hinausgesehen. Die verwirrten Gesichter der Entgegenkommenden, die lediglich eine führerlose Ente sahen, werde ich nie vergessen. Und dann gab es auf meinem Arbeitsweg, in einem kleinen Ort dieses Café, direkt hinter einer Kurve. Gelegentlich sprangen da Leute auf, wenn ich in Schräglage und mit leicht quietschenden Reifen die Rechtskurve nahm. 

Nach zwei Jahren hätten wir uns wieder dem strengen Blick und dem bohrenden Schraubendreher aussetzten müssen. Noch einen TÜV hätte sie aber auch mit zwei zugedrückten Augen nicht bekommen. Die Mängelliste war länger als die Bedienungsanleitung. Weder Zeit, Geld und Platz reichten aus, um einen Neuaufbau zu starten. Also haben wir sie schweren Herzens freigelassen. Aber irgendwann sehen wir uns wieder.

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